Pappkarton als Gestaltungsvorlage für die Zukunft: Die KSL-Besucher des Tags der Begegnung konnten ihre Vorstellung für ein inklusives Krankenhaus auf kleine Quadrate aufschreiben und als Bausteine in ein Pappkrankenhaus stellen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue! Diese Redewendung hat es in sich: Wer sich ein Haus bauen will, muss viel arbeiten, um sich das Geld dazu zu verdienen. Über diese Interpretation hinaus braucht ein Häuslebauer zudem viel Zeit, Geduld und Spucke für die Errichtung des Eigenheims: bis das Fundament steht, das Richtfest gefeiert und irgendwann eingezogen werden kann, braucht es zunächst einmal Kreativität und die Frage: Wie will der Häuslebauer eigentlich einmal leben?

 

 

Marcus Windisch im Gespräch mit Besuchern des Tages der Begegnung

Die KSL setzten sich für die Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen auch in punkto inklusiver Gesundheit ein. Da geht es nicht um die Errichtung von Mauern für ein Eigenheim, sondern darum, Mauern in Köpfen abzureißen und neue Ideen zu entwickeln und vor allem umzusetzen; denn Menschen mit Behinderungen stoßen selbst zehn Jahre nach Ratifizierung der UN-BRK in der Gesundheitsversorgung noch auf Mauern und Barrieren, die diskriminieren, obwohl Artikel 25 „das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung“ verlangt.

 

Wir bauen ein inklusives Krankenhaus 

Der Tag der Begegnung am 25. Mai 2019 in Köln bot Besuchern am Stand der KSL die Möglichkeit, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Menschen mit und ohne Behinderung konnten dort „Krankenhäuslebauer“ für inklusive Gesundheit werden – also das, was mittlerweile gängige Praxis sein sollte, zumindest auf Papier beziehungsweise Karton bringen. „Bei uns am Stand konnten sie im Prinzip den Grundstein für ein inklusives Krankenhaus legen“, resümiert der Projektleiter der Koordinierungsstelle der KSL (KO-KSL) Marcus Windisch. Selsbtbeschriebene Kartons und die Kreativität der Besucher zielten auf die grundsätzliche Frage ab: Wie will der „Krakenhäuslebauer“ eigentlich einmal leben?

Die Wünsche der Besucher des Tags der Begegnung für ein inklusives Krankenhaus

 

 

Blick auf den Stand der KSL auf dem Tag der Begegnung

Ziele und Wünsche decken sich: Menschen mit Behinderungen sollen im Krankenhaus besser behandelt werden als bislang und belastende Situationen vermieden werden

Die Wünsche der Besucher decken sich mit unseren Zielperspektiven inklusiver Krankenhäuser. Unter anderem wünschen sich die Besucher diese Bausteine, um das inklusive Krankenhaus der Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.
 

 

Wie wollen wir leben? Die kreativen handgeschriebenen Beiträge der Besucher

Werfen Sie einen Blick auf die Ideenbausteine der Besucher, wie ihr" Krankenhaus der Zukunft aussieht!

  • „Schon die Ausbildung der Architekten muss Behinderungen mehr in den Fokus nehmen.“
  • „Sensibilisierung des Personals (Menschen mit Behinderung als Experten in eigener Sache)“
  • „Assistenz im Krankenhaus – weniger Probleme mit Pflegediensten“
  • „Assistenz im Krankenhaus – weniger Probleme mit Unterbringung“
  • „Ärzte und mehr Ehrenamtliche nehmen sich Zeit für die Bedürfnisse der Patienten, zum Beispiel, um mit jemandem zu quatschen.“
  • „Metacom-Symbole im Krankenhaus“
  • „Dolmetschen-Online (24 Stunden) und klare Dolmetscher-Übernahme“
  • „individuelle Angebot, z.B. bei der Krankengymnastik“
  • „weniger Überlastung des Pflegepersonals“
  • „Infos für Patienten in leichter Sprache bei Aufnahme und Entlassung“
  • „Patienten mit ihrer eigenen Kompetenz ernstnehmen und auf Augenhöhe behandeln“
  • „Beratung und Begleitung danach“
  • „Weniger Treppen, mehr Rampen“
  • „Schriftdolmetscher, technische Ausstattung, z.B. Vibration (TBL, TBA)“

 

Wir danken allen ‚Krankenhäuslebauern‘ herzlich für die Ideen und den erfolgreichen Kampagnenstart. Wir bauen darauf auf und daran weiter: Unter anderem arbeiten wir an einer Broschüre, die das Bewusstsein für eine barrierefreie und inklusive Gesundheitsversorgung bei dem pflegenden und dem medizinischen Fachpersonal stärkt. Wir bauen Netzwerke auf, führen Interviews, sammeln Materialien und führen Veranstaltungen durch.  Schaffe, schaffe: mit unserer KSL-Jahreskampagne 2019 setzen wir uns für ein inklusives Gesundheitssystem ein!

 

Einordnende Information zum Kernthema:

 

Inklusive Gesundheit ist neben dem Persönlichen Budget das zweite Schwerpunktthema der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben. Wir verstehen darunter inklusive Gesundheitsversorgung und ein inklusives Gesundheitssystem. Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Eingeschränkte Gesundheit, Krankheit, Schmerzen, körperliches, seelisches oder emotionales Leiden beeinflussen die Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Wenn ein Mithalten aufgrund eingeschränkter Gesundheit nicht mehr möglich ist, kann das zu gesellschaftlicher Isolation führen. Gesundheit und Teilhabe bedingen sich gegenseitig. Wir wollen mit dieser Kampagne zur Bewusstseinsbildung beitragen, neues Wissen schaffen und vorhandes Wissen bündeln.