Kurz vor dem jetzigen Lockdown im vergangenen Jahr nahm ich – Karin Hammermann – an einer Reihe von Online-Veranstaltungen zum Thema Vernetzung teil, zusammen mit Frauenbeauftragten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) aus ganz NRW.

Ich habe viel über die Selbstvertretungsstrukturen in Werkstätten erfahren. Während der Veranstaltungen habe ich dazu von den Frauenbeauftragten viel gelernt: Sie haben sich durch das Online-Format nicht davon abhalten lassen, über ihre Arbeit zu sprechen und zu berichten, mit welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen sie ohnehin schon konfrontiert sind – besonders aber während des letzten Lockdowns.

Unser Ziel: Als KSL.NRW unterstützen wir die Frauenbeauftragten, insbesondere auch mit unseren Netzwerken. Gewaltprävention und Opferschutz sind uns gerade in Pandemie-Zeiten wichtig, vor allem angesichts der sozialen Isolierung vieler Frauen (und Männer) in Einrichtungen. Derzeit finden Arbeitskreise und Vernetzungstreffen einerseits seltener, andererseits online statt. Daher möchten wir anregen: Die Frauenbeauftragten der Werkstätten müssen jetzt angesprochen und zur Zusammenarbeit eingeladen werden!

Der Hintergrund: Das Wahlamt der Frauenbeauftragten in Werkstätten gibt es seit drei Jahren. Der Gesetzgeber hielt die verpflichtende Einrichtung einer Frauenbeauftragten insbesondere deshalb für notwendig, weil behinderte Frauen (in Einrichtungen der Behindertenhilfe) besonders häufig Gewalt erfahren – und es an erreichbaren Ansprechpersonen mangelt.

Die über 300 gewählten Frauenbeauftragten in NRW bzw. ihre Stellvertreterinnen sind nun also als Selbst-Expert*innen Teil des aktiven Gewaltschutzes in Werkstätten – oder sollten es zumindest sein. Damit sie gut arbeiten können und die dort arbeitenden Frauen bei schwierigen Anfragen weiterleiten können, brauchen die Frauenbeauftragten ein gutes lokales Netzwerk.

Die Herausforderung: Die Vernetzung vor Ort ist leider nicht selbstverständlich, erfuhr ich bei der Online-Veranstaltung „Stark durch Vernetzung“ von Projektreferentin Elena Doudis. Die Frauenbeauftragten müssen die richtigen Ansprechpersonen und Beratungsstellen im Ort kennen und Vertrauen gewinnen. Behinderten- und Gleichstellungsbeauftragte der Kommunen oder (Frauen-)Beratungsstellen haben leider oft gar keine Verbindung zu den Frauenbeauftragten. Dabei wäre deren Einbindung in kommunale Arbeitsgruppen und Gesprächskreise rund um Gleichstellung, Inklusion und Gewaltschutz so wichtig – und für alle Beteiligten gewinnbringend und hilfreich.

Unser Angebot: Sie arbeiten in einem dieser Themenbereiche und haben Interesse und Lust die Frauenbeauftragten der WfbM aus Ihrer Region kennenzulernen? Dann melden Sie sich bei uns. Wir unterstützen Sie gerne dabei, die engagierten Frauen zu kontaktieren. Sie können sich dazu bei mir melden oder beim KSL in Ihrem Regierungsbezirk.

Ansprechpartnerin:
Karin Hammermann
Karin.hammermann@ksl-nrw.de
Tel.: 0209-95 66 00 27

Eine ausführliche Problemanzeige zur derzeitigen Situation der Frauenbeauftragten finden Sie beim NetzwerkBüro Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung NRW: https://www.netzwerk-nrw.de/news.html?file=tl_files/material/PDF/2020-12-02_NWK_Werkstatt-Frauenbeauftr-und-Corona_einfacher.pdf

Viele praktische Tipps finden Sie zudem auf der Internet-Seite des NetzwerkBüro-Projekts „Sicher, Stark und Selbstbestimmt“: https://www.frauen-vernetzen.nrw

Karin Hammermann
Karin Hammermann