#46
Fensterblick NRW
„Menschenrechte brauchen gesellschaftliche Aufmerksamkeit: Unsichtbarkeit schützt nicht vor Gewalt. Sie schützt nur davor, sie wahrnehmen zu müssen. Es muss ein breites gesellschaftliches Bewusstsein für die besondere Bedrohungslage von Menschen mit Behinderungen durch rechte Kräfte geschaffen werden.“
von M. Butschkau (s. Foto oben), L. Bertelmann, M. Zebrowski, A.Wohlfahrt und M. Seger (v.l.)
| Stellungnahme | KSL hinterfragt |

Schwierige Worte
Ableismus
Der Begriff Ableismus besteht aus dem englischen „able“ (fähig) und dem deutschen „ismus“ (eine Wortendung, die auf ein abstraktes, geschlossenes Gedankensystem verweist). (Aguayo-Krauthausen 2023, S. 27). Der Begriff bezeichnet eine „(…) einseitige Fokussierung auf körperliche und geistige Fähigkeiten einer Person und ihre essentialisierende Be- und Verurteilung, je nach Ausprägung ihrer Fähigkeiten.“ (Maskos 2010) Solche Bewertungen gehen von einer Normalitätsvorstellung eines vollständig gesunden und autonomen Menschen aus, der weder körperlich, psychisch noch kognitiv beeinträchtigt ist. Ableismus wird häufig unbedacht mit dem Begriff „Behindertenfeindlichkeit“ gleichgesetzt. Ableismus ist jedoch mehr als das: Es geht dabei um eine Norm, die als eine Art System die gesamte Gesellschaft durchzieht. Durch dieses System werden Ungleichheitsverhältnisse zwischen Menschen oder Gruppen hergestellt sowie gerechtfertigt. (Buchner/Lindmeier 2019, S. 234) Ableismus wirkt also neben der individuellen Ebene, auf der Personen aufgrund von Fähigkeitserwartungen beurteilt werden, ebenfalls auf der strukturellen und auf der institutionellen Ebene. Beispiele unterschiedlicher Formen von Ableismus sind Vorurteile und Stereotype, physische Barrieren im Alltag oder die erschwerte Teilhabe an der Gesellschaft. (Gersdorff & Sturm 2024, S. 28-29.)
Sozialdarwinismus
„Unter Sozialdarwinismus versteht man die Idee, das Recht des Stärkeren müsse auch das menschliche Zusammenleben bestimmen. Diese Einstellung gilt in der Wissenschaft als typisches Element eines rechtsextremen Weltbildes.
Der Begriff Sozialdarwinismus tauchte erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend populär. Die Anhänger dieser Idee übertrugen Elemente der Evolutionstheorie von Charles Darwin aus der Pflanzen- und Tierwelt auf die menschliche Gesellschaft. Darwins Lehre, dass sich langfristig jene Lebewesen durchsetzen, die sich am besten ihrer Umwelt angepasst haben, wurde pseudowissenschaftlich umgedeutet in eine Überlegenheit der Stärksten.
Sozialdarwinisten vertreten beispielsweise die Ansicht, Schwache seien weniger wert als Starke und Behinderte oder chronisch Kranke eine Last für die Allgemeinheit. Sie behaupten, es schwäche eine Gesellschaft, wenn sie auf Schwache Rücksicht nehme. Solidarität wird von ihnen als hinderlich empfunden, Gleichberechtigung als „wider die Natur".
Im Nationalsozialismus waren sozialdarwinistische Ideen zentral. Nach außen wurde damit ein Kampf zwischen höher und niedriger stehenden Rassen konstruiert – die Begründung für Kriege und Massenmorde. Nach innen wurde damit das Aussondern angeblich mindderwertiger Menschen im Interesse der sogenannten Rassenhygiene begründet (…).“ (BpB)
Ergebnis war unter anderem die Ermordung und Zwangssterilisation von Menschen mit Behinderungen. Schätzungsweise 2/3 der Menschen, die damals in Anstalten lebten, haben den Nationalsozialismus nicht überlebt. (Wienberg, 2013, S.178)
September 2026

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Malin Butschkau hat der Social-Media-Kampagne von BackUp ihr Gesicht gegeben. An der Stellungnahme selbst haben zudem die oben stehenden Autor*innen des KSL. Arnsberg und des KSL.Münster zusammen gearbeitet.
Quellen:
Aguayo-Krauthausen, Raúl (2023): Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden, Hamburg
Buchner, T./Lindmeier, C. (2019): Zur Einführung: Grundzüge, Rezeptionslinien und Desiderate ableismuskritischer Forschung im deutschsprachigen Raum. In: Sonderpädagogische Förderung heute (3), S. 233–239.
Bundesministerium des Innern (BMI) (2026): Bundesweite Fallzahlen 2025 Politisch motivierte Kriminalität. Online unter diesem Link [Abgerufen am 04.08.2026] zu finden.
Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): Sozialdarwinismus. Online unter diesem Link [Abgerufen am: 04.08.2026] zu finden.
Decker, O; Kiess, J; Heller, A; Brähler, E (2024): Die Leipziger Autoritarismus Studie 2024: Methoden, Ergebnisse und Langzeitverlauf. In: Decker, O; Kiess, J; Heller, A; Brähler, E: Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Psychosozial-Verlag. Online unter diesem Link zu finden.
Gersdorff, A. und Sturm, K. (2024): Stoppt Ableismus! Diskriminierung erkennen und abbauen. Hamburg
Maskos, R. (2010): Bist du behindert oder was? Behinderung, Ableism und souveräne Bürger_innen. Online unter diesem Link zu finden. [Abgerufen am 04.08.2026]
Opferberatung Rheinland (OBR) & BackUp – Beratung für Betroffene rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt (2026): Enthemmte Gewalt, steigende Fallzahlen — Betroffenenberatungsstellen fordern Konsequenzen Jahresbilanz rechter Gewalt 2025 Online unter diesem Link [Abgerufen am 04.08.2026] zu finden.
Opferberatung Rheinland (OBR) & BackUp – Beratung für Betroffene rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt (2025): Jahresbilanz rechter Gewalt 2024: Ein neuer Höchststand in NRW. Online unter diesem Link [Abgerufen am 04.08.2026] zu finden
Wienberg, G. (2013). Von der sozialen Exklusion zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen - eine sozialhistorische Skizze. Zeitschrift für Evangelische Ethik, 57, 169-182.
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Barrierefreiheit
#35: Ramona Becker ist Regierungsbeschäftigte. Als Sachgebietsleiterin im Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW schreibt sie im Fensterblick Extern: „Ich möchte, dass bei der Polizei NRW jeder seinen Arbeitsplatz am Tag 1 eingerichtet bekommt, auch oder gerade Menschen mit Behinderung, die Hilfsmittel benutzen. Das klingt erstmal gar nicht so schwierig, ist aber recht kompliziert.“
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