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Fensterblick KSL Extern
Anna Cebulla vom KSL.MSi hat ein Interview mit der Coda Magdalena Grzyb geführt, die examinierte Sonderpädagogin ist und als Lehrerin taube und gehörlose Kinder unterrichtet hat. Zudem ist sie Coach für Neurodivergenz und Bloggerin. Sie beherrscht Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache. In ihrer der Kindheit hat sie polnische Gebärden gelernt und mit Ihren Eltern in Polnischer Gebärdensprache (PJM) kommuniziert.
Coda bedeutet, dass sie hörendes Kind tauber Eltern ist – die englische Abkürzung für „Children of deaf adults". Das Interview wurde bereits Ende Mai 2026 auf der Webseite des KSL.MSi veröffentlicht.
Unsere neue Kollegin vom KSL.MSi Silvia Klieber ist ebenfalls Coda. Wir ergänzen Parallelen und Unterschiede der Fachreferentin für Taubblindheit und öffnen dazu unten im Text ein kleines Fenster.
mit Magdalena Grzyb | Interview von Anna Cebulla | KSL hinterfragt
KSL hinterfragt
Hier finden Sie Parallelen und Unterschiede der Coda Silvia Klieber zu diesem Interview. Sie ist Fachreferentin für Taubblindheit beim KSL.MSi.
Perspektive Silvia Klieber
1. Siliva, könntest du dich kurz vorstellen?
Mein Name ist Silvia Klieber, ich bin seit dem 1. Juni 2026 im KSL-MSi-NRW als Fachreferentin für Taubblindheit angestellt. Ich habe einen Master in Biologie und später das Lehramt für Sonderpädagogische Förderung gemacht.
2. Du bist selbst Coda. Welche Sprachen beherrscht du?
Ich spreche deutsche Lautsprache, Deutsche Gebärdensprache und Englisch. Deutsche Lautsprache und DGS sind meine Muttersprachen. Ich bin aber mehr lautsprachlich orientiert aufgewachsen und beherrsche die Lautsprache im Vergleich wesentlich besser.
3. Du hast das Interview gelesen: Wo gibt es Parallelen in deinem Leben, wo Unterschiede?
Unsere Familiensituation beginnt sehr ähnlich: Ich bin ebenfalls mit beiden Sprachen aufgewachsen und auch meine Eltern sind die einzigen Gehörlosen unter hörenden Familienmitgliedern. Daher kommt auch mein starker Bezug zur Lautsprache: Niemand meiner Verwandten kann DGS und sie nutzen bis heute nur einige ganz basale Gebärden. Im Unterschied zu ihr, habe ich mich wesentlich weniger mit der Gebärdensprache beruflich auseinandergesetzt und identifiziere mich auch weniger dadurch. Das ist wie bei anderen Kindern, die mehrsprachig aufwachsen: Manche identifizieren sich mehr mit der einen, andere mehr mit der anderen Sprache und der damit verbundenen Kultur. Manche finden ihre Wurzeln gleichberechtigt in beiden Welten. Ich selbst bin insgesamt viel weniger in der Gehörlosengemeinschaft aktiv, das heißt aber nicht, dass ich gar nichts mit Gehörlosen zu tun habe.
4. Welche Wünsche, die Magda Grzyp nennt, teilst du?
Ich teile ihren Wunsch, dass wir in der Deaf Community anders wahrgenommen werden möchten. Viele Codas möchten „allies“ sein, da sie automatisch einen intimen Einblick in das Leben mit Gehörlosigkeit und die damit verbundenen Bedürfnisse und Probleme haben. Dem steht aber manchmal der verständliche Wunsch Gehörloser gegenüber, sich zu emanzipieren und als „Peers“ die eigenen Interessen zu vertreten und dies nicht Hörenden zu überlassen. Das ist dann wie ein Drahtseilakt: Auf der einen Seite werden wir von Gehörlosen gerne herangeholt, um zu übersetzen und „Stimme und Ohr“ zur „hörenden Welt“ zu sein, auf der anderen Seite gehören wir aber trotzdem für viele „nicht dazu“. Wir sind „anders“. Wir werden manchmal auf unser Hören reduziert. Diese Einstellung, dass wir deswegen niemals gleichberechtigter Teil der Community und Kultur sein können, obwohl wir mit oder sogar in ihr aufwachsen, kann sehr schmerzhaft sein.
Ich wünsche mir allerdings auch von den Hörenden, dass die Gebärdensprache und Gehörlosenkultur als gleichwertig zu anderen Kulturen und Sprachen wahrgenommen wird und nicht als bloße Eigenschaft. Gehörlosigkeit ist viel mehr, als „nicht hören können. Häufig werde ich gefragt: „Wie hast du sprechen gelernt?“ Meine Antwort darauf ist dann immer: „Genauso wie du. Von meinen Eltern.“
Danke dir für deine Sicht.
Das habe ich gern gemacht.
Schwierige Worte
Cochlea-Implantat (CI):
Medizin und Technik haben wesentlich dazu beigetragen, dass hörbehinderte Menschen selbstbestimmter am Leben in der Gesellschaft teilhaben können. So unterstützen High-Tech-Hörgeräte Menschen mit Schwerhörigkeit, besser zu hören. Einen Schritt weiter geht das Cochlea-Implantat: Durch das Einsetzen dieses sogenannten „bionischen Ohres“ können selbst gehörlos geborene Kinder unter Umständen in der Welt des Hörens und der Lautsprache aufwachsen und ertaubte Menschen wieder (besser) an der hörenden Gemeinschaft partizipieren.
Coda, Doha, Doda:
Coda bedeutet, dass jemand hörendes Kind tauber Eltern ist – die englische Abkürzung für „Children of deaf adults". Es gibt auch hörende Eltern gehörloser Kinder. Die entsprechende Abkürzung ist „Deaf of hearing adults" (Abkürzung: Doha). Gehörlose Kinder gehörloser Eltern heißen „Deaf of deaf adults" (Abkürzung: Doda.)
Manchmal wird für die erste Abkürzung auch die Schreibweise mit K (Abkürzung: Koda) verwendet. K steht dann für Kid. Das heißt aus dem Englischen übersetzt auch Kind und steht für Kinder unter 18 Jahren.
DGS/PJM:
Die drei Buchstaben DGS sind die Abkürzung für Deutsche Gebärdensprache. Die drei Buchstaben PJM sind die Abkürzung für die polnischen Worte Polski Język Migowy – die Polnische Gebärdensprache.
Persönliches Budget (PB):
Mit der Einführung des „Persönlichen Budgets“ (PB) am 1. Juli 2001 wurde eine wichtige Wahlmöglichkeit für Menschen mit Behinderungen geschaffen. Anstelle der üblichen Dienst- und Sachleistungen können sie ein Persönliches Budget für ihre Teilhabeleistungen wählen. Menschen mit Behinderungen erhalten den für ihre Teilhabeleistungen notwendigen Geldbetrag und entscheiden selbstbestimmt welche Hilfe, wann, wo und von wem geleistet werden soll. Seit dem 1. Januar 2008 besteht ein Rechtsanspruch auf Leistungen in Form des Persönlichen Budgets.
Informationen und praktische Hinweise zum PB finden Sie in der KSL-Konrekt #1.
Sprachliche Deprivation:
Viele deutsche Worten stammen aus dem Lateinischen, so wie Deprivation zum Beispiel. Das lateinische Wort de-privare bedeutet übersetzt „berauben". Sprachliche Deprivation soll ausdrücken, dass manchen Kindern der Zugang zu einer vollwertiger Sprache verwehrt bleibt oder unzureichend ist, zum Beispiel, wenn sie etwa bis zum fünften Lebensjahr keine Sprache vollständig beherrschen.
Dazu gibt es einen interessanten Artikel bei kobinet.
August 2026

Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Sinnesbehinderungen in NRW
Hollestraße 1 (Haus der Technik, Osteingang)
45127 Essen
Telefon: 0201-43755770
E-Mail: info@ksl-msi-nrw.de
Zur Person:
Anna Cebulla leitet den Fachbereich Hörbehinderung beim KSL.MSi. Das Gespräch mit Magdalena Grzyb hat sie in Deutscher Gebärdensprache geführt und schriftlich verfasst. Sie hat die Coda bei Instagram entdeckt und ist mit ihr in Kontakt getreten, weil sie findet, dass die Problematik hörender Kinder gehörloser Eltern sehr unsichtbar sei und es nur wenige Publikationen in dem Bereich gebe.
Telesign: 04331-7700333*
E-Mail: anna.cebulla@ksl-msi-nrw.de
*Es entstehen für Sie keine zusätzlichen Kosten. Telesign ist ein Tele-Dolmetscherdienst.
Silvia Klieber ist seit dem 1. Juni 2026 im KSL-MSi-NRW als Fachreferentin für Taubblindheit angestellt. Sie hat einen Master in Biologie und später Lehramt für Sonderpädagogische Förderung studiert.
Telefon: 0201-125 167 05
E-Mail: silvia.klieber@ksl-msi-nrw.de
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Kinofilme inklusiv
Sie ist Fotografin, er ist Stadion-Kommentator. Sie treffen sich zufällig, kommen sich näher, verlieben sich ineinander, werden ein Paar, trennen sich wieder und nähern sich wieder an. So weit, so gut. Eine ganz normale Geschichte. Oder nicht? In Milan Skrobaneks Kinofilm „Als wäre es leicht“ scheinen Barrieren von Beginn an programmiert. Denn: Kati, die Fotografin, ist gehörlos. Stadion-Kommentator Florian ist blind. Ein Interview mit Regisseur Milan Skrobanek und den Haupdarstellenden Cindy Kling (im Film: Kati) und David Knors (im Film: Florian).
Zum Beitrag Nr. 24