Erstmalig präsentieren die KSL ihre Arbeit in einem internationalen Zusammenhang. Vom 20.-22. Februar haben die KSL einen Infostand auf der Zero Project Conference.
Erstmalig präsentieren die KSL ihre Arbeit in einem internationalen Zusammenhang. Vom 20.-22. Februar haben die KSL einen Infostand auf der Zero Project Conference.

KSL auf der ZeroCon19 in Wien

Erstmalig präsentieren die KSL ihre Arbeit in einem internationalen Zusammenhang. Vom 20.-22. Februar haben die KSL einen Infostand auf der Zero Project Conference. 

Logo der PB-Kampagne
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Das Bild zeigt die Teilnehmenden bei der Arbeit.
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Das Bild zeigt die Teilnehmenden in Gesprächen.
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Das Bild zeigt die Teilnehmenden bei der Arbeit.
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Praxisdialog Persönliches Budget

Mehr Selbstbestimmung führt zu einer höheren Lebensqualität, das gilt für alle Menschen – besonders aber für jene, die auf Grund ihrer Behinderung verstärkt auf Unterstützung angewiesen sind. Das Persönliche Budget ermöglicht Menschen mit Behinderung, die von ihnen benötigte Unterstützung entsprechend ihren Bedürfnissen und Vorstellungen zu organisieren. Durch den deutlichen Zugewinn an individuellen Wahlmöglichkeiten können sie ihr Leben aktiv selbst gestalten und sind nicht darauf angewiesen, Hilfe passiv anzunehmen. Die Inanspruchnahme Persönlicher Budgets bleibt bisher jedoch deutlich hinter den bestehenden Erwartungen zurück. Um das Persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen angemessen zu gestalten, zur Inanspruchnahme zu motivieren und bei der Nutzung zu unterstützen veranstalten die Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben (KSL) NRW, die Landschaftsverbände und die Landesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget NRW eine Reihe von Praxisdialogen.

Zum Auftakt der regionalen Praxisdialoge luden das KSL Köln und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) am 24. Januar 2019 Budgetnutzende, Leistungsträger und Beratende nach Köln ein. Experten und Expertinnen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis und der Stadt Köln tauschten sich zu ihren Erfahrungen aus und diskutierten Möglichkeiten und Wege die Nutzung des Persönlichen Budgets zu verbessern, um dadurch eine höhere Selbstbestimmung und Lebensqualität von behinderten Menschen zu erreichen. Als konkrete Maßnahme wurde beschlossen, dass das Amt für Soziales des Rheinisch-Bergischen Kreises zusammen mit der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) ein Informations-Faltblatt zum Thema Persönliches Budget für die Menschen im Kreis erstellen wird.

KSL-Broschüre zum Persönlichen Budget

Pfeil nach links zeigend auf zweifarbigem Hintergrund in violett und weiß
Pfeil nach links zeigend auf zweifarbigem Hintergrund in violett und weiß

Koordinierungsstelle der KSL unter neuer Trägerschaft

Die Koordinierungsstelle der KSL wird seit dem 1. Januar 2019 vom RBV 1886 Düren betrieben. Die NRW.ProjektSoziales GmbH, bisherige Trägerin des Projektes, wird auf Beschluss des Landes NRW aufgelöst. Die Koordinierungsstelle wird weiterhin dafür sorgen, dass die Kompetenzzentren vor Ort zielgerichtet und mit einer hohen Qualität arbeiten können. Die Koordinierungsstelle hat ihren Sitz weiterhin im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Sie erreichen das Team nun unter folgenden Kontaktdaten:

Koordinierungsstelle der KSL NRW
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen

info@ksl-nrw.de

 

Lea Bügemannskemper T. 0209-956600-30 Lea.Buegemannskemper@ksl-nrw.de
Karin Hammermann T. 0209-956600-27 Karin.Hammermann@ksl-nrw.de
Dr. Jessica Hartig T. 0209-956600-25 Jessica.Hartig@ksl-nrw.de
Markus May T. 0209-956600-20 Markus.May@ksl-nrw.de
Lucas Schnurre T. 0209-956600-28 Lucas.Schnurre@ksl-nrw.de
Marcus Windisch T. 0209-956600-11 Marcus.Windisch@ksl-nrw.de

 

Weitere Informationen zur Arbeit der Koordinierungsstelle werden in Kürze veröffentlicht.

Aufbau der Wanderausstellung
Aufbau der Wanderausstellung

Das Persönliche Budget unterwegs in Nordrhein-Westfalen

Die Wanderausstellung zum Persönlichen Budget ist vom 07. bis zum 22. Februar in der Stadtbücherei in Gronau (Münsterland) zu sehen.

Nähere Informationen zum Ausstellungsort und den Inhalten unter:
Hier geht's direkt zu "PB on tour"

Der gefragte Adventskalaneder - KSL Münster - weihnachtlicher Hintergrund mit 3 Tannenbäumen mit 24 Sternen
Der gefragte Adventskalaneder - KSL Münster - weihnachtlicher Hintergrund mit 3 Tannenbäumen mit 24 Sternen

Adventskalender Münster

Jeden Tag ein Video – Adventskalender des KSL Münster ist online

Zum Adventskalender

Maxi, die Schnecke erfährt im Gespräch mit wechselnden Personen von wichtigen Begriffen aus der Arbeit des KSL Münster. Die täglichen Videosequenzen sollen auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken oder kurzen Innehalten anregen. Das Bewusstsein für ein selbstbestimmtes Leben mit Behinderung steht bei dieser Begriffserklärung im Vordergrund.

Der Online-Adventskalender ist bis zum 24.12.2018 auf der Webseite des KSL Münster abrufbar: https://ksl-muenster.de/de

 

Logo KulturTandem - Banner - Links ein mit Pinselstrichen skizziertes Rollstuhlfahrrad mit zwei Personen, einer fährt die vorn im Rollstuhl sitzende Person, rechts daneben der Schriftzug KulturTandem - Das Fest-inklusiv-al
Logo KulturTandem - Banner - Links ein mit Pinselstrichen skizziertes Rollstuhlfahrrad mit zwei Personen, einer fährt die vorn im Rollstuhl sitzende Person, rechts daneben der Schriftzug KulturTandem - Das Fest-inklusiv-al

KulturTandem 2018

Die inklusiven Veranstaltungen der Reihe KulturTandem des KSL Düsseldorf finden in diesem Jahr in Düsseldorf statt, mehr...

Ab dem 16.10.2018 wird es bis Ende November eine Reihe von spannenden inklusiven Kulturveranstaltungen in Düsseldorf geben, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem tanzhaus nrw und der Sammlung Philara!

Marcus Windisch (im Bild rechts) vom KSL NRW moderiert einen World Café-Tisch. Links im Bild: Gudrun Nolte von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal.
Marcus Windisch (im Bild rechts) vom KSL NRW moderiert einen World Café-Tisch. Links im Bild: Gudrun Nolte von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal.

Gemeinsam Teilhabe im Sozialraum sichern

„Bundesteilhabegesetz und Sozialraum. Zusammen neue Wege der Unterstützung finden!“ lautete eine Tagung des Inklusionskatasters NRW im Tagungszentrum Bad Sassendorf. Leistungsträger, Leistungserbringern ebenso wie Leistungsberechtigte hatten die Gelegenheit, sich zu informieren und untereinander auszutauschen. In den Vorträgen, Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden ging es vor allem darum, wie sich die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure für eine gemeinsame Angebotsentwicklung und die Gestaltung inklusiver Sozialräume konkret gestalten lässt.

Vor dem Hintergrund waren die am Nachmittag angebotenen praxisbezogenen Workshops und World Café-Tische von großem Interesse. Hier wurden Fragen der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Nordrhein-Westfalen an konkreten Beispielen vorgestellt und diskutiert. Marcus Windisch, Leiter der Koordinierungsstelle der KSL-NRW, und Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg, moderierten in dem Rahmen zwei Thementische zu „Sozialraumwissen als Kompetenz von Fachkräften in der Eingliederungshilfe“.

Ulla Röper-Waltemathe, Leiterin Ambulant Betreutes Wohnen des Sozialdienstes Katholischer Männer Lippstadt, machte als Impulsgeberin an einem Tisch beispielhaft deutlich, wie pädagogische Fachkräfte, Pflegekräfte, Alltags- und Genesungsbegleiter im Team zusammenwirken können, um Menschen mit psychischen und Abhängigkeits-Erkrankungen erfolgreich sozialraumorientiert zu unterstützen. In der weiteren Diskussion standen vor allem individuelle Perspektiven der Experteninnen und Experten in eigener Sache, die eigene Rolle als Fachkraft, die Lebensumgebung und Planungsräume im Mittelpunkt. Gudrun Nolte umriss in ihrem Kurzvortrag, wie die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal als Anlaufstelle individuelle Unterstützung für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Sozialraum organisiert.

„Eine wichtige Voraussetzung für Inklusion ist, dass alle Menschen Zugang zu ihren Ressourcen im sozialen Raum haben“, unterstrich Andreas Tintrup. Veranstaltungen dieser Art seien ein wichtiger Impuls für die Zusammenarbeit alle Akteure.  

Rund 150 Gäste nahmen an der Abschlussveranstaltung zur Aktionswoche teil.
Rund 150 Gäste nahmen an der Abschlussveranstaltung zur Aktionswoche teil.

150 Teilnehmer bei Veranstaltung „Das Persönliche Budget - mehr als Geld"

„Das Persönliche Budget gibt mir die Chance, meinen Alltag nach meinen Wünschen und Anforderungen selbstbestimmt zu gestalten.“

„Das Persönliche Budget gibt mir die Freiheit, Leistungen und Personal selbst auszuwählen.“

„Der Antragsweg ist kompliziert. Man muss auch schon mal einen Dickkopf haben. Aber es lohnt sich!“

Am Abschlusstag der Aktionswoche „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ der KSL.NRW im neuen Rathaus der Stadt Bielefeld zeigten sich Budgetnutzende von dieser Leistungsform überzeugt. Die Veranstaltung des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Detmold (KSL-OWL) richtete sich an potenzielle Budgetnutzende, Leistungsträger und -anbieter, Beratungsstellen und alle weiteren am Persönlichen Budget Interessierten. Mitveranstalter waren das Café 3b, die integrative Beratungs- und Begegnungsstätte für Behinderte, die EuTB Bielefeld sowie die Stadt Bielefeld.

Stephan Wieners vom KSL-OWL begrüßte die gut 150 Teilnehmenden und erläuterte noch einmal die Beweggründe der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben in NRW, dem Persönlichen Budget eine landesweite Kampagne zu widmen. Dies seien vor allem der erweiterte Spielraum in der Gestaltung des individuellen Unterstützungsbedarfs sowie der Rollenwechsel vom passiven Leistungsempfänger zum selbstbestimmt agierenden Kunden, die durch das Persönliche Budget erreicht werden könnten. Ganz im Sinne der UN-BRK lohne es sich daher, für eine verbesserte Information, Beratung, Umsetzung und Nutzung einzutreten und dem Persönlichen Budget zu neuem Schwung zu verhelfen.

Karin Schrader, Erste Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld begrüßte die Teilnehmenden und unterstrich, dass Informations- und Diskussionsveranstaltungen wie diese wichtig und notwendig sind. Sie bedauerte, dass sich die Anzahl der Persönlichen Budgets in der Stadt im Laufe der vergangenen zehn Jahre auf einem niedrigen Niveau von rund 70 eingependelt habe. „Da gibt es die Ängste von Betroffenen bzw. deren Angehörigen im Hinblick auf Kürzung von Leistungsansprüchen, Unterversorgung oder Überforderung mit der Verwaltung“, sagte die Bürgermeisterin. „Da gibt es aber auch die Bedenken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Leistungsträger sowie der Leistungserbringer im Hinblick auf Arbeitsplatzsicherung, Wirtschaftlichkeit und Sicherung des Qualitätsstandards.“ Um dem Persönlichen Budget einen neuen Schub zu geben, müssten deshalb Ängste und Sorgen bei den Menschen mit Behinderung abgebaut werden. Leistungsträger müssten ihr bisheriges Verwaltungshandeln verändern und eine bislang nicht bekannte Flexibilität bei der Umsetzung ermöglichen. Karin Schrader resümierte: „Nur so wird diese Form der Leistung eine wirkliche Alternative und eine effektive und effiziente Hilfeform. Und zwar nicht nur für einige wenige Eingeweihte, sondern für einen größeren Kreis von Menschen mit Behinderungen.“

Leicht verständlich und übersichtlich führten Karin Neuhöfer vom Café 3b und Florian Holstiege von der EuTB Bielefeld noch einmal grundsätzlich in das Thema Persönliches Budget ein, mit dem sie in ihrer alltäglichen Beratungsarbeit regelmäßig beschäftigt sind.

 

Erfahrungsberichte

In einer Podiumsrunde, moderiert von Mesut Can vom KSL-OWL, berichteten Budgetnutzende aus ihrem Alltag: Thomas Drexhage war froh, dass er mit dem Persönlichen Budget etwas ausprobieren konnte, „was nicht in übliche Angebotsschubladen passt“. Er sieht darin vor allem die Möglichkeit, eigenständig und selbstbestimmt entscheiden zu können, ohne aus einem festen Sortiment aussuchen zu müssen. Annette Jablonski schätzt vor allem, dass sie sich die Assistenzen, mit denen sie zusammenarbeiten möchte, selbst aussuchen kann. „Wenn man selbst Chef ist, macht das viel Arbeit, aber es macht auch Spaß“, ermutigte sie die Teilnehmenden. Jan Klocke war schnell begeistert, als er zum ersten Mal von der Möglichkeit eines Persönlichen Budgets hörte. Er wollte nicht in einer Werkstatt arbeiten. Seine Motivation: „Menschen mit Behinderungen können mehr als in einer Werkstatt Tüten zu füllen“, sagte er. Das wollte er auch sich selbst beweisen. Heute lebt der in Herford geborene junge Mann in Bielefeld. Nach einem Praktikum bei einem Verein, der sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen engagiert, blieb er dort als fester Mitarbeiter. Heute freut er sich darüber, dass er einen beruflichen Weg einschlagen konnte, der zu ihm passt. Mit dem Persönlichen Budget kann er seinen Alltag selbstbestimmt gestalten.

Frischer Wind

Es folgte eine Gesprächsrunde mit Herrn Wolfgang Völzke, Psychiatriekoordinator der Stadt Bielefeld, der noch einmal einen spannenden Rückblick auf die Anfangsjahre des Persönlichen Budgets warf, in denen die Stadt Bielefeld als Modellregion an der Erprobung des Instrumentes beteiligt war. Beate Graul, Sprecherin des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Bielefeld wagte einen Blick von Leistungsanbieterseite auf das Thema und erläuterte mögliche Gründe für die geringe Inanspruchnahme des Persönlichen Budgets. Für Andrea Auner von der Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget e. V. (BAG-PB) war die Tagung eine große Chance, „jetzt noch einmal frischen Wind in die Entwicklung zu bekommen“. „Ich freue mich riesig, dass wir das Thema als Zusammenarbeit der Landschaftsverbände, der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben NRW und der BAG hingekriegt haben.“ Für Auner ist das Persönliche Budget nur ein Schritt hin zu einer großen Entwicklung: „Wir wollen uns auf den Weg machen, in dieser Gesellschaft inklusiv zu sein“, sagte die BAG-Sprecherin. „Das ist schwer und kein Thema für Menschen mit Behinderungen allein. Es betrifft uns alle, und wir müssen alle darüber nachdenken.“ Es habe sich zwar in den vergangenen Jahren in den Köpfen etwas geändert, aber: „Wir sind noch nicht soweit, dass es ganz leicht für alle ist“, so Auner. „Aber das wollen wir auf den Weg bringen.“

In einer abschließenden Diskussion konnten die Teilnehmenden der Veranstaltung sich an alle Referenten des Tages auf dem Podium wenden und ihre Fragen zu Thema stellen.

 

Eingebettet war die Veranstaltung in die Präsentation der Wanderausstellung und den dazugehörigen Film, welche von den Kompetenzzentren anlässlich ihrer Kampagne zum Persönlichen Budget konzipiert und hergestellt worden waren. Die Wanderausstellung ist noch bis zum 2. November auf der Galerie im 1. Stock des neuen Rathauses in Bielefeld zu betrachten.

 

Auf dem Podium stellte eine Budgetnehmerin ihren Alltag vor.
Auf dem Podium stellte eine Budgetnehmerin ihren Alltag vor.

Aktionswoche „Das Persönliche Budget“: „Sich die Freiheit nehmen.“

Das „Nein!“ kam spontan, und es klang fest und entschlossen. Auf die Frage des Moderators, ob sie sich vorstellen könnte, wieder bei den Eltern zu leben, war Annika Hilles Antwort eindeutig: „Nein!“.

„Wenn Kinder mit Behinderungen das Elternhaus verlassen“ war ein Themenschwerpunkt der Veranstaltung „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ in der Kulturschmiede in Greven, die vom KSL Münster und der Lebenshilfe Greven gemeinsam gestaltet und durchgeführt wurde. Auf dem Podium berichteten Annika Hille, ihre Mutter Inge Hille und Stefan Brockmeyer, der sie im Alltag unterstützt, den Teilnehmenden von dem gelungenen Auszug Annikas. „Für uns war immer klar und selbstverständlich, dass der Moment des Auszugs irgendwann kommen würde,“ blickte Annikas Mutter zurück. „Als der Zeitpunkt aber dann da war, der Abschied kam und Annika ausgezogen war, da war es dann doch schon ein bisschen komisch. Die ersten Wochen waren dann auch sehr schwierig.“ Aber nicht für Annika, sondern für die Eltern, für die es anfangs nicht einfach war, Annika ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

Annika Hille lebt mittlerweile seit acht Jahren in einer eigenen Wohnung in Greven. Das Persönliche Budget ermöglicht ihr ein selbstbestimmtes Leben. Zweimal in der Woche kommt Stefan Brockmeyer zu Annika Hille, um ihren Alltag mit Hilfskräften und Assistenzen zu organisieren. Zurück auf den heimatlichen Bauernhof nach Ladbergen, wo sie mit ihren Eltern und dem Bruder aufwuchs, will sie nicht mehr. „Annika hat ihren Alltag so gestrickt, wie sie es braucht“, sagt Inge Hille. „Ohne das Persönliche Budget hätte sie diese Chance nicht gehabt, das muss man klar sagen.“ Annika Hille hat dadurch viel Freiraum zum Beispiel in der Gestaltung ihrer Freizeitaktivitäten. Sie hat Personen um sich, die sie kennt und die ihr vertraut sind. Für Inge Hille ganz besonders wichtig: „Annika kann das Personal selbst aussuchen und gucken, wer zu ihr passt.“ Und wenn es einmal nicht passen sollte, müsse man sich eben auch wieder von einer Assistenz trennen. Diese Freiheit nimmt auch den Eltern die Sorge, dass Annika sich nicht wohlfühlen könnte.

 

"Mutig sein und machen!"

Ein wichtiger Punkt, denn in der Sorge der Eltern sieht Elisabeth Veldhues häufig eine Bremse, gerade wenn Kinder mit Behinderungen das Elternhaus verlassen und lieber in eine eigene Wohnung, als in eine Einrichtung ziehen möchten. Die ehemalige NRW-Landesbehindertenbeauftragte hat in der eigenen Familie hautnah erfahren, dass mehr Autonomie und Selbstbestimmung zu einer größeren Zufriedenheit und Lebensfreude führen. „Mutig sein und machen“ ist deshalb auch für Elisabeth Veldhues ein wichtiges Signal, das von der Veranstaltung in der Kulturschmiede ausgesendet werden soll: Das Persönliche Budget kann maßgeblich dazu beitragen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das sieht auch Grevens Bürgermeister Peter Vennemeyer so: „Selbstbestimmt Leben heißt auch, selbstbestimmt Entscheidungen treffen. Egal, ob ein Mensch ein Handicap hat oder nicht!“ Dies könne durch das Persönliche Budget ermöglicht werden. Anke Schwarze, Leiterin des KSL Münster betonte: „Denn jeder weiß selbst am besten, was er oder sie möchte und braucht.“

Martina Siehoff, Manuel Salomon und Regine Bewer (im Bild von links nach rechts) berichteten von ihren Erfahrungen.
Martina Siehoff, Manuel Salomon und Regine Bewer (im Bild von links nach rechts) berichteten von ihren Erfahrungen.

Aktionswoche „Das Persönliche Budget“ : „Mein Leben ist planbarer geworden!“

„Nur weil ich in meinem Leben nicht mehr alles selbstständig lösen kann, heißt das doch nicht, dass ich meine Entscheidungen nicht mehr selbstbestimmt und autonom treffen kann.“ So brachte es Martina Siehoff beim „Tag des Persönlichen Budgets“ im Kulturzentrum Bahnhof Arnsberg auf den Punkt. Das KSL Arnsberg hatte im Rahmen der Aktionswoche „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ der KSL NRW zur Podiumsdiskussion eingeladen, um auf diese Leistungsform aufmerksam zu machen. Auf großes Interesse stießen dabei insbesondere die Praxiserfahrungen von Budgetnutzenden.

Martina Siehoff bezieht seit 2015 das Persönliche Budget. „Mein Leben ist mit dem Persönlichen Budget planbarer geworden und ich kann meinen Alltag zuverlässiger gestalten“, unterstrich die 57-Jährige, die während einer Reha-Maßnahme auf das Persönliche Budget aufmerksam wurde. Auch in die Organisation des Arbeitgebermodells hat sie sich nach und nach eingearbeitet. Dazu gehört die Auswahl von passenden Assistenzen ebenso wie die Abrechnung von Gehältern und Steuern. Das macht Mühe, die sich für Martina Siehoff aber gelohnt hat. „Vieles, was ich nicht mehr konnte, ging dann dank der Assistenz wieder“, erzählte sie mit Freude über ihre erhöhte Mobilität.

Regine Bewer bestätigte die guten Erfahrungen, die Martina Siehoff mit dem Persönlichen Budget gemacht hat. Sie ist selbst nicht Budgetnehmerin, sondern verwaltet das Persönliche Budget für ihren Zwillingsbruder. Die Teilnehmenden, die überwiegend aus Kommunen und Beratungsstellen nach Arnsberg gekommen waren, trugen ihrerseits zur Diskussion mit der Beschreibung eigener Fälle aus ihrer Beratungspraxis bei. Dabei wurde einerseits deutlich, wie vielfältig die Bedarfslagen sind, womit auch hohe Anforderungen an die zuständigen Beraterinnen und Berater bei den Kostenträgern verbunden sind. Andererseits machten die Beispiele ebenso klar, wie flexibel das Persönliche Budget eingesetzt werden kann, etwa zur Finanzierung einer Assistenz in Schule, im Studium oder am Arbeitsplatz oder einer Begleitperson in der Freizeit.